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| Architekturpreis Farbe |
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7134 |
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Meldung:
Architekturpreis Farbe – Struktur – Oberfläche 2008 in Darmstadt verliehen
| Der
Caparol-Architekturpreis Farbe – Struktur – Oberfläche wurde am 5. Juni
in Darmstadt verliehen. Im Bild hinten (von links): Marc Oei (Lederer
Ragnarsdottírt Oei, Stuttgart), Peter Brückner (Brückner + Brückner,
Tirschenreuth), Daniel Lischer (Lischer Partner Architekten, CH-Luzern)
und Nicolas Pirovino, huggen_berger architekten, CH-Zürich). Vorne (von
links): Dr. Ralf Murjahn (Caparol), Jorunn Ragnarsdottír (Lederer
Ragnarsdottír Oei, Stuttgart), Urs Schmid (Graber & Steiger
Architekten, CH-Luzern), Denis Kusotic, A-Wien), Ushi Tamborriello
(CH-Rieden/Baden) und Alex Zollinger (Graber & Steiger Architekten,
CH-Luzern) | Renommi erte
Architekten und Planer, Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft sowie
lokale Honoratioren kamen am 5. Juni zur Verleihung des
Architekturpreises Farbe – Struktur – Oberfläche auf die Mathildenhöhe
nach Darmstadt. Der zum dritten Mal von Caparol in Zusammenarbeit mit
den Architekturfachzeitschriften AIT und Intelligente Architektur
ausgelobte Wettbewerb prämiert vorbildlich umgesetzte Farbkonzepte in
der Architektur. Die 102 nominierten Arbeiten aus dem Bereich der
Architektur und Innenarchitektur wurden im Hinblick auf beispielhaften
Umgang mit Farbe, Struktur und Oberfläche bewertet.
Im Rahmen
der feierlichen Preisverleihung ehrte Dr. Ralf Murjahn
(Caparol-Unternehmensleitung) das Stuttgarter Architekturbüro Arno
Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir, Marc Oei für das Projekt „Hessisches
Staatstheater, Darmstadt“. Das Büro erhielt den Hauptpreis und die
Murjahn-Medaille. Architekturpreise gingen auch an huggen_berger
architekten (Zürich) für das Projekt „Stadthaus Zurlindenstraße“ in
Zürich und den Wiener Architekten Denis Kosutic für die
Interiorgestaltung des „Hair Studio Andreas K“ in Wien. Der Preis der drei Gewinnerbüros ist die Teilnahme jeweils eines Bürovertreters an einer Reise nach Peking.
Ausgezeichnet
wurden auch die Architekten Julia Fügenschuh und Christof Hrdlovics für
das Projekt „M-Preis, Feinkostladen in Imst“, Graber und Steiger
Architekten GmbH für die Werkerweiterung der Fensterfabrik G.
Baumgartner AG in Hagendorn (Schweiz), Ushi Tamborriello für das
Projekt „Hamam Trafo in Baden“ und Lischer Partner Architekten Planer
für den Wohnpark Schönegg in Luzern/Littau. Für die vier Büros und
Projekte hatte die Jury lobende Erwähnungen ausgesprochen.
Hessisches Staatstheater: Hauptpreis für Lederer+Ragnarsdóttir+Oei
Während
der Veranstaltung betonte der Vorsitzende der Bewertungsjury Peter
Brückner das hohe Niveau des Wettbewerbs. Dieser soll, so Dr. Ralf
Murjahn, als „Quelle der Inspiration“ auch künftig einen Beitrag dazu
leisten, außergewöhnliche Architektur im Bereich Farbe – Struktur –
Oberfläche zu realisieren.
Das Hessische Staatstheater in
Darmstadt gehört zweifellos dazu. Die Arbeit des Büros
Lederer+Ragnarsdóttir+Oei „zeigt, was Architektur sein und leisten
kann“, heißt es in der Begründung der Jury: „Das Werk zeichnet sich
durch seine materielle Schlichtheit wie skulpturale Eleganz aus – und
es zeigt den vorbildlich subtilen Umgang mit bestehender Bausubstanz.
Durch die gestalterische wie konzeptionelle Transformation wird aus
einem ‚häßlichen Entlein’ eine kraftvolle Architektur voller Poesie und
Klarheit. Die Zeichenhaftigkeit des neuen Eingangs berührt auf den
ersten Moment – man könnte meinen, das Gebäude beginnt einen visuellen
Dialog mit dem Betrachter.... leise, fein und doch voller Kraft. Durch
die theatrale Inszenierung des Eingangskörpers mit seinen roten
Bühnentüren beginnt das Schauspiel schon vor dem Eintritt in das Haus.
Der pure Einsatz von wechselseitig kontrastierenden Farben, Strukturen
und Oberflächen läßt sinnlich leichte Räume entstehen, die im
Bewußtsein des Betrachters weiterleben, gleich dem erlebten Theater im
Inneren des Gebäudes. Lederer+Ragnarsdóttir+Oei gelingt es
beispielhaft, einen unverwechselbaren Ort mit zeichenhaftem Charakter
zu schaffen“, dessen Geist weit über den Ort hinaus reicht.
„Hochintelligente Raumstudie“
Für
das Stadthaus Zurlindenstraße in Zürich zeichnete die Jury
huggen_berger architekten (Zürich) mit dem Architekturpreis Farbe –
Struktur – Oberfläche aus, „da die Arbeit sich extrem sensibel in den
städtebaulichen Kontext einfügt. Der Baukörper nimmt in hohem Maße die
Bezüge zur Nachbarbebauung auf. Mit großer Sorgfalt wurde die Fassade
gestaltet, die Keramikplatten wurden eigens für dieses Projekt
produziert und lassen den Baukörper wie in einem rohseidenen Anzug
erscheinen. Die glasierte Oberfläche und die Struktur der Platten fängt
die Licht und Wetterstimmungen auf. Das Gebäude verändert sich je nach
Blickwinkel und mit den Tages- und Jahreszeiten. Die hohe Wertigkeit
der Fassadengestaltung spiegelt sich auch in der Grundrißorganisation
wider. Großzügiges Wohnen findet vor allem im Neubaubereich statt,
während der Altbau durch einige Stufen in der Höhe versetzt den
Schlafräumen vorbehalten ist und sich zum ruhigen Hof hin orientiert.
Alles in allem verspricht das Gebäude eine grundsätzliche Bereicherung,
sowohl für den Stadtgrundriß als auch für die Stadtentwicklung und
letztlich für jeden einzelnen Bewohner.“
Als „eine
hochintelligente Raumstudie, welche eigentlich ein Spiegelkabinett, ein
kleiner Festsaal geworden ist“ bezeichnete die Jury die Arbeit von
Denis Kosutic, der für die Interiorgestaltung des „Hair Studio Andreas
K“ in Wien mit dem Caparol-Architekturpreis ausgezeichnet wurde. Die
Veränderung eines Raumes mit nur wenigen Mitteln und insbesondere die
Vervielfältigung des Raumes durch unterschiedliche Spiegel zeuge davon,
„daß hier ein großer Geist trotz kleiner Aufgabe wirkte“. Die Jury
fühlte sich auch an die Architekturgeschichte Adolf Loos erinnert und
würdigte insbesondere die Vielschichtigkeit, mit der die Arbeit
ausgeführt wurde. Spiel und Experimentieren mit verschiedenen
Materialien in einer Farbe, mit Glitzereffekten und der
„Dreidimensionalität“ der Oberflächen beeindrucken. Dreidimensionale,
an den Wänden und an der Decke verteilte Spiegelpaneele mit eingebauten
Lichtquellen verleihen dem Raum unzählige und überraschende neue
Dimensionen und Perspektiven und verändern die echten Raumproportionen.
Das Konzept beschreibt Silber als raumbildenden Farbton. Einfarbigkeit
verleiht dem Raum einen starken und unverwechselbaren Charakter und
eine fast surrealistische Wirkung. Durch Spiegelung der Fremden
(Gegenstände und Personen) entstehen die Farben im Raum, die sich in
der Spiegelperspektive in unzählige multiplizieren, bewegen und immer
stundenweise verändern.
Lobende Erwähnungen
Die
österreichische Ladenkette M-Preis setzt seit Jahren höchst positive
Maßstäbe mit ihren architektonisch herausragenden Neubauten. Die
Architekten Julia Fügenschuh und Christof Hrdlovics (Zirl) realisierten
mit dem M-Preis Feinkostladen in der Innenstadt von Imst nun einen
weiteren, herausragenden Ladentypus. „Das dominierende
Gestaltungselement ist die messingfarbene Decke. Sie gibt dem Laden und
den Waren eine Wertigkeit, die meilenweit weg ist von der ‚Geiz ist
Geil’-Mentalität. Und zugleich ist diese goldene Decke durch die
Schaufenster auch im Straßenraum weithin sichtbar. Schreiende und ewig
gleiche Leuchtreklamen an Innenstadtfassaden sind überflüssig. Ein sehr
einfacher und höchst effektiver gestalterischer Kunstgriff genügt und
M-Preis beweist: Es ist auch für Lebensmittel-Filialisten möglich, in
Innenstädten erfolgreich und zugleich gestalterisch sensibel einen
Laden zu betreiben.“ Diese gesellschaftlich wertvolle Leistung würdigte
die Jury mit einer lobenden Erwähnung.
Die Werkerweiterung der
Fensterfabrik Baumgartner in Hagendorn der Architekten Graber und
Steiger (Luzern) erhielt ebenfalls eine lobende Erwähnung. Das Gebäude
befindet sich an der Schnittstelle zwischen Siedlungsgebiet und
Landschaftsraum. Dieser sehr sensiblen Peripherie der Stadt begegnen
die Architekten mit einer halbtransparenten „Membran“, gefügt aus Holz-
und Metallelementen. „Diese vorhangartige durchgrünte Wand spielt
faszinierend mit Licht, Schatten, Material und Raum“, heißt es in der
Jurybegründung: „Es entwickelt sich ein spannender Übergang zur
Landschaft. Zwischen Hülle und Gebäude entsteht unter dem weit
auskragenden Dach, fast selbstverständlich die geschützte Zone für An-
und Ablieferung. Die Architekten antworten auf die Aufgabe und den Ort
in einer Qualität, welche leider nur sehr selten in diesen sensiblen
Randbereichen der Städte erreicht wird. Die natürlich belassenen
Materialien treten in einen spannenden Dialog mit nicht verwitterbaren
Oberflächen. Naturbelassenes Kupfer und unbehandeltes Holz sind der
Patinierung unterworfen; die lackierten Stahlträger und die
Kunststoff-Fassadenplatten leben von ihrer artifiziellen Ausstrahlung.
Farbe, Struktur und Oberfläche werden bei dieser Arbeit in einen
subtilen Zusammenhang zu Architektur, Landschaft und den Jahreszeiten
gesetzt. Transparenz, Transluzenz in Verbindung mit der sanften
Reflexion der Fassaden geben dem Gebäudeensemble eine fast
geheimnisvolle Ausstrahlung.“
Orientalisches Bad in Industriehalle
Eine
lobende Erwähnung bekamen auch Lischer Partner Architekten Planer
(Luzern) gemeinsam mit Truecolour (Luzern), die sich mit ihrem Wohnpark
Schönegg des vorstädtischen Wildwuchses annahmen. Auf dem Gelände einer
ehemaligen Gärtnerei wurden vier Wohnhäuser in subtil nuancierten Grün-
und Violett-Tönen mit einer tarnenden Farbigkeit überzogen, welche die
Gebäude mit geringem Aufwand verorten. Besondere Würdigung erfuhr auch
die Farbgestaltung der öffentlichen Räume der Gebäude. „Eine gute
Farbgestaltung erkennt man nicht an ungewohnten oder satten Buntwerten.
Es ist vielmehr das Zusammenspiel von Materialien, Texturen, Farbtönen
und Kontext, was ein gelungenes Farbkonzept ausmacht. Und dies wiederum
ist nur möglich, wenn Bauherren, Architekten, Farbgestalter und Maler
gut zusammenarbeiten. Nur dank dieser kommunikativen Sorgfalt bekommt
diese Siedlung etwas Bezeichnendes“, heißt es im Konzeptleitfaden der
Architekten.
Für die Realisierung eines außergewöhnlichen
orientalischen Bades in einem denkmalgeschützten Trafo-Gebäude erhielt
das Planungsteam um Ushi Tamborriello (München) eine lobende Erwähnung.
Die Welt draußen lassen, sich dem Innen zuwenden, das ist das große,
schöne Versprechen, welches das Hamam im Schweizer Baden einlösen will.
„Auf seiner Reise wird der Gast begleitet von Farben und Oberflächen,
in denen sich die Dunkelheit scheinbar in mehreren Schichten abgelagert
hat, die in einem sanften Licht eine Qualität von Tiefe, Schlichtheit
und Ruhe annehmen: an den Wänden eine mystisch erdige Oberfläche in
verschiedenen Grau- und Grüntönen, die deutlich die Spuren ihrer
Verarbeitung zeigt und sich in ihrer Farbgebung auf die stählernen
Tragstrukturen der denkmalgeschützten Industriehalle bezieht. Raumhohe
Glaswände, die Durchblicke und Einblicke steuern und den Raum in grünes
Licht tauchen, Decken, Becken und Leuchten, die silberne Glanzlichter
setzen, dunkles Holz in wertigen Strukturen, das eine behagliche Wärme
schafft“, kennzeichnen das Konzept: „Das klassische Vorbild des Hamams
wurde bewußt immer wieder gebrochen und am industriellen Umfeld und der
Moderne reflektiert. Geblieben sind mystische Räume, die um dasselbe
Thema kreisen: Das Zelebrieren eines Baderituals, das Körper und Seele
reinigt.“
Ausstellung auf der Darmstädter Mathildenhöhe
Die
Siegerprojekte des Caparol-Architekturpreises 2008 und alle 102
nominierten Arbeiten sind vom 6. Juni bis 21. September auf der
Darmstädter Mathildenhöhe (Museum Künstlerkolonie) zu sehen. Zur
Ausstellung erscheint eine reich illustrierte Publikation mit
sämtlichen nominierten Projekten (25 Euro an der Museumskasse).
Das
Interesse von Hochbau- wie von Innenarchitekten war enorm. „Die Anzahl
prämierungswürdiger Projekte steigt von Jahr zu Jahr“, berichtet
Dipl.-Ing. Reinhard Franz, der für den Veranstalter Caparol die
Ausrichtung federführend leitet. Den Grund für die überaus positive
Resonanz sieht der Veranstalter darin, daß es sich um einen echten
Nominierungswettbewerb handelt. Dessen Reglement sieht vor, daß
prämierungswürdige Arbeiten nur von einer Nominierungsjury, die sich
aus hochkarätigen Architekturbüros zusammensetzt, vorgeschlagen werden.
Die Nominierung wird also ausschließlich von Kollegen vorgenommen und
nicht – wie bei vielen anderen Wettbewerben mittlerweile üblich – von
der Industrie. Das macht den besonderen Reiz des
Caparol-Architekturpreises „Farbe – Struktur – Oberfläche“ aus, der
auch unter einem weiteren Aspekt eine Sonderstellung einnimmt: Statt
üppiger Preisgelder winkt den Preisträgern eine Bildungsreise, die der
Veranstalter gemeinsam mit der Fachzeitschrift AIT organisiert.
Caparol
möchte durch diesen Wettbewerb Architekten aus dem In- und Ausland auf
die mannigfaltigen Möglichkeiten der Gestaltung mittels Farbe,
Strukturen und Oberflächendesigns hinweisen. Zugleich werden
beispielhafte Projekte ausgezeichnet. „Jeder nominierte Vorschlag hat
die gleiche Chance zu gewinnen. Ob bei einem Objekt von einem
bestimmten Produkt besonders viel oder wenig verwendet wurde, ist für
die Nominierung unerheblich. Auch in diesem Jahr fanden sich auf der
Vorschlagsliste sowohl kleine, ausgesprochen feine Arbeiten als auch
skulpturale Großprojekte. Es geht in erster Linie darum, herausragende
architektonische Qualität auszuzeichnen“, so Franz. Die
Verschiedenartigkeit von Oberflächen und Strukturen kann dabei
differenzierend wirken. Außerdem ergeben sich Gestaltungsmöglichkeiten
durch eine bewußte Farbgebung. Auch dafür will Farbenhersteller Caparol
sensibilisieren.
Am 8. Mai hatte das Preisgericht in Ober-Ramstadt getagt. Es bestand aus den Juroren Peter
Brückner, Brückner & Brückner Architekten + Ingenieure
(Tirschenreuth), Professor Regine Leibinger, Barkow Leibinger
Architekten (Berlin), Dionys Ottl, Hild + K Architekten (München),
Peter Ippolito, ippolito fleitz group identity architects (Stuttgart),
Frank Focke, nps Tchoban Voss (Hamburg), Dr. Ralf Murjahn,
Caparol-Unternehmensleitung (Ober-Ramstadt) und Dr. Dietmar Danner,
Chefredakteur der AIT und Verlagsleiter der Verlagsanstalt Alexander
Koch (Leinfelden-Echterdingen).
Der Wettbewerbsentscheidung
vorab hatte eine prominente Nominierungsjury jeweils bis zu zehn
Projekte benannt, die sie im Rahmen der Auslobung für preiswürdig
erachtete. Der Nominierungsjury gehörten folgende Architekturbüros an:
4a Architekten GmbH (Stuttgart), Architektengruppe N+M GmbH
(Offenbach), bost berlin Interieur Design.Architecture (Berlin),
Ippolito Fleitz Group (Stuttgart), Lepel & Lepel Architektur
(Köln), LH Architekten (Hamburg), Plajer & Franz Studio (Berlin),
Tim Hupe Architekten (Hamburg), Wulf & Partner (Stuttgart), Yes
architecture (München), BKK-3 (Wien), Riken Yamamoto & Beda
Faessler Architects (Zug).
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